child_male_sick_267518_l.jpgAuweia. Es steht nicht gut um das „starke Geschlecht“. Die Mädels nehmen ihm in rasanter Geschwindigkeit die Butter vom Brot, so in diversen Magazinen wie Spiegel, Focus und Eltern beklagt. Schulversagen, Aufmerksamkeitsdefizit, soziale Inkompetenz, Gewaltbereitschaft – die Mängelliste ist lang, und sie setzt sich im Mannesalter fort: Männer sind, zumindest in Deutschland, nicht nur häufiger übergewichtig als Frauen, sie kommen auch schlechter mit Trennungen klar und neigen zu infantiler Selbstüberschätzung und schlechten Actionfilmen. Und zuhören können sie, so will es die Legende, sowieso nicht.

little_excited_smile_246941_tn2.jpgWas zum Henker ist los mit den Kerlen? Züchtet die sogenannte Emanzipation neue Generationen defizitärer männlicher Wesen heran? Schon im im weit entfernten Jahre 2003 titelte das Geo-Magazin: „Jungs: Werden sie die Sorgenkinder unserer Gesellschaft?“ Bücher wie „Die Jungenkatastrophe“ schieben die Misere auf die Übermacht weiblicher Bezugspersonen in Familie, Kindergarten und Grundschule oder, anders ausgedrückt: auf die Abwesenheit von männlichen Vorbildern, mit der kleine Jungs aufwachsen. Mit anderen Worten, liebe Männer, die Krise ist selbstgebacken. Wo the hell steckt ihr, wenn es um die gute alte Vermittlung von Werten und sozialer Kompetenz geht? Hier wäre wohl ein bißchen Prioritätenverschiebung angesagt. Oder ist etwa die böse Gesellschaft schuld, die den Männern zu viel Geld zahlt (jedenfalls nach wie vor mehr als den Frauen) und sie so von der wertvollen „Erziehungsarbeit“ fernhält?

Fest steht, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit von den jahrelang als unterdrückt und förderbedürftig geltenden Mädels abgewendet hat und stattdessen die zu kurz gekommenen Jungs unter die Lupe nimmt. Und die von Feminismus und Rollenverschiebungen zutiefst verunsicherten zarten Männerseelen. Und das ist im Zuge ausgleichender Gerechtigkeit nur zu begrüßen, oder?

Als Trostpflaster für große und kleine Jungs sei an dieser Stelle eine kleine Veranschaulichung weiblicher Inkompetenz eingefügt. Lasst euch nicht unterkriegen!

Höher, schneller, weiter – so das ermüdende Paradigma der Welt, in der wir leben. Globalisierung nennt man das auf soziologisch. Die rasanten Entwicklungen im wirtschaftlichen, technologischen und medialen Bereich überschwemmen und revolutionieren ganze Erdteile. Entziehen kann man sich kaum, selbst wenn man (manchmal) will.

Ständige Erreichbarkeit, durch einen handlichen kleinen Gegenstand namens Handy gewährleistet, ereilt schon 12-jährige Kids, deren Eltern ein genialescomputer_baby.jpg Überwachungsinstrument in der Hand haben, um ihren Nachwuchs zu lokalisieren.
Der Zugang zu einer Informationsflut sondergleichen, ermöglicht durch die an sich schöne Erfindung des weltweiten Netzes, versetzt mich zwar in die Lage, die Kathmandu Post zu lesen, das Handwerk des Bierbrauens zu erlernen und mir Fotos von Katzen zu Gemüte zu führen, die eine frappierende Ähnlichkeit zu Adolf Hitler aufweisen – aber, wie alles auf dieser Welt, hat auch dieses Reich der unbegrenzten Möglichkeiten seinen Preis.

Uns droht der totale Informations-Overkill. Wer will, wer kann das alles noch verarbeiten? Der namhafte Technologieforscher Gartner berichtet, dass 90 Prozent aller Unternehmen von dem Überfluß an Informationen überfordert und der Meinung sind, diese Flut verschlechtere ihre Wettbewerbsfähigkeit. Durch ein Mehr an Wissen steigt auch der Druck, mehr zu wissen.

Alles, naja fast alles oder jedenfalls vieles ist schneller geworden. Und alles soll und muss heutzutage schnell gehen. Speed ist das Wort (oder Unwort) der Stunde: Sei es nun speedDating, speedbanking oder speedsurfing. Aber ist dadurch am Ende ein Gewinn, meditation.jpgein Plus an Zeit zu verzeichnen? Die bestürzende Antwort lautet: Nein. Denn jede ersparte Minute wird effektiv genutzt, der Kopf dauerbeballert. Die häufige Folge: Mentale und seelische Atemlosigkeit, die einen wiederum zweifelhaften Esoterikboom zur Folge hat.

Kinder, lasst euch gesagt sein: Weniger ist mehr. Wer z. B. mal in Afrika war, weiß, wovon ich rede. In Kenia saß ich einmal in einer Lehmhütte und wartete ungelogene drei Stunden auf einen Interviewpartner. Der von mir zunächst als unerträglich empfundene Zustand des Nichtstuns mutierte zum Abenteuer: Ganz schön spannend, was so in einem komplett entmüllten Kopf alles vor sich gehen kann. Leere zuzulassen ist zu einer Kunst geworden. Eine Kunst, die wir alle wieder erlernen sollten. Amen.